Die Not macht erfinderisch – goldene, tschechische Hände im Kampf gegen Corona

Respirator CIIRC RP95 Foto: Sejkot CIIRC CTU

Die aktuelle Situation fordert jede Nation und auch jeden Einzelnen heraus. In Tschechien haben sich Wissenschaftler, Freiwillige und Unternehmen zusammen geschlossen und in kürzester Zeit Produkte auf den Markt gebracht, die im Kampf gegen das Virus unterstützen und europaweit/weltweit gefragt sind.

Drei davon möchten wir kurz vorstellen.

1) Face shield- der Schutz für medizinisches Personal
Die Firma Prusa Research aus Prag hat unmittelbar auf die fehlenden Schutzmittel für Medizinisches Personal reagiert und eine 3D-Druck-Vorlage für Schutzschilder erstellt.
Mittlerweile hat die Firma selbst über 80.000 Stück hergestellt und an tschechische Krankenhäuser gespendet. Da die Vorlage kostenfrei zur Verfügung steht, hat sich die 3D-Druck-Community aus Hochschulen, Firmen und Privatpersonen an die Arbeit gemacht selbst herzustellen und andere Institutionen mit den Schutzschildern zu versorgen.

Durch diesen Angebot von Prusa an das 3D-Netzwerk ist das Produkt bereits weltweit verbreitet und schützt täglich nicht nur medizinisches Personal, wie die Fotos auf der firmeneigenen Website beweisen.

3D printed face shields for medics and professionals

Face Shield Foto: Prusa Research

Face Shield Foto: Prusa Research

2) Zertifizierte Respiratoren in 6 Wochen vom Prototypen bis zur Serienproduktion 

Das Exzellenzzentrum RICAIP der Tschechischen Technischen Universität in Prag hat als Erstes einen Prototypen für eine Halbmaske mit eingebautem Filter mittels 3D-Druck entwickelt.
Dank der Zusammenarbeit mit der Westböhmischen Universität in Pilsen, die bei der Optimierung des Ausatmungsventils aus Silikon die Prager Forscher unterstützt hat, und der langfristigen Kontakte zur Wirtschaft wurde die Maske nach nur sechs Wochen in Serienproduktion hergestellt.  Inzwischen beteiligen sich mehr als 30 Firmen an der Produktion im Spritzgussverfahren und erzeugen so bis zu 10.000 Stück am Tag.

Die Maske CIIRC RP95-3D mit austauschbaren Filter P3 hat die Zertifizierung nach EN 140:1999 erhalten und bietet somit den gleichen Schutz wie übliche FFP3 Masken an. Nach Sterilisierung und Desinfektion sind die Masken wieder nutzbar.

Das ursprüngliche Ziel, Masken überall auf der Welt herstellen zu können um damit den lokalen Bedarf zu decken, wurde erfüllt. Die 3D-Druck-Vorlage für HP Multi JetFusion Drucker kann auf der Website des Exzellenzzentrums heruntergeladen werden.

https://www.ciirc.cvut.cz/covid-2/ ( Englische Version verfügbar)

Respirator CIIRC RP95 Foto: Sejkot CIIRC CTU

Respirator CIIRC RP95 Foto: Sejkot CIIRC CTU

3) Crowdfunding für neuprojektierte Beatmungsgeräte – 600 000 Euro an einem Tag gesammelt

Fachleute von der Fakultät Biomedizinisches Ingenieurwesen der Tschechischen Technischen Universität in Prag zusammen mit den Freiwilligen von der Plattform Covid19CZ und über 30 Firmen haben sich ein sportliches Ziel gesetzt: 500 Beatmungsgeräte in kürzester Zeit und für ein Fünftel des Normalpreises herzustellen. Die Tüftler haben auf gängige und verfügbare Einzelteile gesetzt (Die Steuerungseinheit kommt z. B. von der Firma Beckoff) und bestehende Kontakte genutzt.

Das Gerät CoroVent besitzt bereits eine tschechische Zertifizierung vom Elektrotechnisches Prüfinstitut (Elektrotechnický zkušební ústav-EZÚ) . Durch die zahlreichen freiwilligen Stunden und die nur auf einen Zweck beschränkte Zertifizierung (nur für Patienten mit Coronavirus gedacht) konnte der Preis im Vergleich zum gängigen Beatmungsgerät von 20 000 Euro auf 4 000 gesenkt werden.

Ab Ende Mai läuft die Serienproduktion mit einer Stückzahl von 2500 pro Woche an. Die Anfragen aus Spanien, Italien und Deutschland betragen derzeit 6000 Stück. CoroVent soll allen Patienten weltweit helfen. Einen Wunsch haben die Erfinder jedoch – auf jedem Gerät wird der Schriftzug „Powered by Czech heart“ zu lesen sein.

Medical ventilator for COVID-19 patients

CoroVent Foto: CoroVent

CoroVent Foto: CoroVent

Stakeholder-Treffen des INTERREG-EUROPE-Projekts FRiDGEWebinare der Beratungsbüros