Bargeldlose Ticketautomaten in Regensburger Stadtbussen – Interview mit Christian Barth (das Stadtwerk Regensburg.Mobilität GmbH)

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Tschechisches Know-how für Regensburger Fahrgäste: Ein Blick hinter die Kulissen der Mobilitätswende

Wer in Regensburg in den Stadtbus steigt, braucht kein Kleingeld mehr. Ein kurzer „Tap“ mit der Bankkarte am gelben Terminal genügt – und die Fahrt ist bezahlt. Was für die Fahrgäste nach einfachem Komfort aussieht, ist das Ergebnis einer spannenden bayerisch-tschechischen Technologiekooperation. Während ein deutsches Unternehmen die Hardware liefert, sorgt Software des tschechischen Spezialisten Monet+ im Hintergrund für die sichere Abrechnung.

Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit über die Grenze hinweg? In einem Interview spricht Christian Barth, Projektingenieur bei das Stadtwerk.Regensburg, über die Herausforderungen und den erfolgreichen Technologietransfer zwischen der Oberpfalz und dem Nachbarland.

„Kleine Box“ mit großer Wirkung: Die Entscheidung für tschechische Technologie

Frage: Was war die ursprüngliche Motivation für den radikalen Umstieg auf ein rein bargeldlose Bezahlsystem in den Stadtbussen und wie sind Sie dabei auf die tschechischen Unternehmen wie Mikroelektronika und Monet+ aufmerksam geworden?

Christian Barth: Ideen für eine Modernisierung gab es schon länger. Der entscheidende Impuls kam 2022 auf der Fachmesse IT-Trans in Karlsruhe. Dort fiel uns das Gerät von Mikroelektronika sofort auf – diese ‚kleine Box‘ stach im Vergleich zu anderen Herstellern optisch und funktional heraus. Die Technik haben wir daraufhin fast drei Jahre lang in einem Pilotprojekt intensiv getestet. Das Ergebnis davon war dann die offizielle Ausschreibung eines Ticketsystems ohne Fahrerverkauf mit dem Ziel, die Prozesse im Bus zu beschleunigen.

Engineering ohne Grenzen: Die bayerisch-tschechische Umsetzung

Frage: Wie lief die Zusammenarbeit in der heißen Phase der Implementierung ab? Gab es durch die räumliche Nähe zur Tschechischen Republik Vorteile – etwa bei der Logistik oder dem persönlichen Austausch zwischen Regensburg und den Firmenstandorten?

Christian Barth: Interessanterweise beteiligte sich der Hardware-Hersteller Mikroelektronika am Ende nicht an der Ausschreibung. Die Hardware stammt nun von einer deutschen Firma. Die Zusammenarbeit mit der tschechischen Softwarefirma Monet+ verlief insgesamt sehr gut. Natürlich war im Vorfeld viel Abstimmungsarbeit nötig. Die Experten von Monet+ waren zur Softwareprüfung und zum Einbau auch direkt bei uns vor Ort , um das System im Live-Betrieb zu testen. Im gesamten Prozess zeigten sich anstelle der Logistik eher andere Hürden: Während die tschechischen Kollegen sehr gut Englisch sprachen, war die Sprachbarriere auf deutscher Seite manchmal eine Herausforderung. Umgekehrt wurden uns von tschechischer Seite recht holprige deutsche Übersetzungen der Softwareberichte geliefert. Solche Details konnten wir im direkten Austausch jedoch gut glätten.

Ein Modell für Bayern: Fazit und Zukunftsblick

Frage: Nachdem das System nun im Alltag läuft: Wie fällt Ihr Fazit zur tschechischen Technik aus? Gab es Hürden bei der Anpassung an deutsche Standards und würden Sie sagen, dass dieser Technologietransfer aus dem Nachbarland eine Blaupause für andere bayerische Kommunen sein könnte?

Christian Barth: Seit November 2025 sind wir mit dem System nun in allen Fahrzeugen im Vollbetrieb und das Fazit fällt sehr positiv aus. Auffällig ist, dass nun deutlich mehr Tickets direkt im Bus verkauft werden als vorab in der App – das System scheint also gut anzukommen. Was die Technik betrifft, gab es keinerlei Probleme bei den Schnittstellen, vor allem weil die Banksysteme ohnehin weitgehend standardisiert sind. Ich denke, dass das Projekt definitiv Vorbildcharakter hat. Wir stehen beispielweise im Austausch mit der Stadt Schweinfurt, die ein ähnliches System plant. Für uns ist der nächste große Schritt bereits in Sicht: die gemeinsame Planung mit dem RVV, um zu prüfen, ob und wie das System im gesamten Verbundraum eingesetzt werden kann.

 

 

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