Wie entstehen aus Ideen Kooperationen mit wirtschaftlichem Mehrwert? Wie kann sich die Nachbarregion Oberpfalz – Pilsen im weltweiten Technologiewettbewerb behaupten? Antworten gab der 7. Bayerisch-Tschechische Innovationstag im Pilsener Tech Tower.
PILSEN. Zukunftsfähigkeit entsteht dort, wo Menschen, Unternehmen und Institutionen über Grenzen hinweg zusammenarbeiten. In diesem Sinne stand das Motto „Two Regions. One Future.“ des 7. Bayerisch-Tschechischen Innovationstags am 30. September im Tech Tower Pilsen. Veranstaltet wurde der Tag von der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim und dem Beratungsbüro Oberpfalz des Bezirks Oberpfalz gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Bayern und Tschechien. Weit über 100 Akteure aus Wirtschaft, Start-up-Szene, Forschung und Politik erhielten Impulse für eine gemeinsame Innovationsregion.
Zum Auftakt moderierte Professor Dr. Wolfgang Dorner, Vizepräsident Forschung und Transfer von der Technischen Hochschule Deggendorf, eine Diskussion mit Dr. Alois Plößl, Vizepräsident der IHK Regensburg für Oberpfalz / Kelheim, Franz Löffler, Bezirkstagspräsident der Oberpfalz, und Martin Rybár, stellvertretender Hauptmann der Region Pilsen für IT und europäische Angelegenheiten. Die Gesprächspartner diskutierten, wie Bayern und Tschechien ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern, welche Rolle Innovation, Digitalisierung und Fachkräfte dabei spielen und wie die Vision einer gemeinsamen Innovationsregion konkret umgesetzt werden kann.
„Wir müssen auf die weltweiten Veränderungen gemeinsame Antworten finden. Die Konkurrenz sitzt nicht im Nachbarland, sie sitzt auf anderen Kontinenten“, plädierte Löffler für eine weitere Intensivierung der grenzüberschreitenden europäischen Zusammenarbeit von Bayern und Tschechien. Aus Sicht von Rybár hebt der geplante Aufbau eines gemeinsamen Verbunds für Europäische Zusammenarbeit (EVTZ) beide Nachbarregionen auf eine neue Ebene. „Wir setzen mit dem EVTZ den Fokus bewusst auf Innovation und wirtschaftliche Zusammenarbeit“, betonte der stellvertretende Hauptmann. „Damit wir bei technologischen Trends schneller werden, sollten wir deshalb Unternehmen, Forschungseinrichtungen und Thinktanks in unserer Region noch stärker vernetzen“, so IHK-Vize Plößl.
Impulse von Markenkultur bis KI-Strategie
Professor Dorner wurde im weiteren Verlauf des Tages von Co-Moderator Jan Herzig unterstützt. Fachliche Impulse lieferten mehrere Referenten. Marketingexperte Marco Schmid sprach über die Entstehung und Wirkung gelebter Markenkulturen. Martin Jiránek von der Tschechischen Start-up-Assoziation stellte die Entwicklung und Perspektiven der Szene vor. Jan Siebert von der tomorrow web GmbH zeigte, wie digitale Geschäftsmodelle auch mit begrenztem Kapital erfolgreich wachsen können. Jan Kavalírek vom tschechischen Industrie- und Verkehrsverbands für KI beleuchtete die Rolle Künstlicher Intelligenz als Wachstumstreiber für Tschechien und die Europäische Union. „Wir müssen die KI-Infrastruktur massiv ausbauen, um weltweit relevant zu werden“, lautete sein Appell. Ergänzend erläuterte Jan Potužák von der EU-Kommission aktuelle Förderinstrumente zur Stärkung von Innovation und Wettbewerbsfähigkeit.
Start-ups verbinden Idee und Markt
Wie aus innovativen Ideen konkrete Geschäftsmodelle werden, zeigte anschließend der Start-up-Wettbewerb. Elf jungen Unternehmen aus Deutschland und Tschechien präsentierten ihre Lösungen in kurzen Pitches vor dem Publikum. Die Bandbreite reichte von Anwendungen der Künstlichen Intelligenz über Medizintechnik bis hin zu digitalen Lösungen für Industrie und Handwerk. Den Spezialpreis – die Teilnahme am Silicon Valley Program, gesponsert von der TeleskopEffekt GmbH – erhielten Baukey aus Landkreis Kelheim (Herrngiersdorf). Baukey entwickelt eine digitale Wissensplattform für die Bauwirtschaft. Sie erleichtert den Zugang zu baurelevantem Fachwissen und macht Informationen für die Praxis schnell verfügbar.
Astrum Mobility aus Pilsen überzeugte zudem das Publikum und gewann den Publikumspreis: einen Gutschein im Wert von 750 Euro, gestiftet von K+B Experts. Der Start-up entwickelt innovative Mobilitätslösungen für elektrische Rollstühle. Ziel ist es, Menschen mit Mobilitätseinschränkungen mehr Selbstständigkeit und Unabhängigkeit im Alltag zu ermöglichen. Die Veranstaltung wird vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat gefördert.
